Montag, 23. Januar 2012

Zur Thalia-Theater Kontroverse

Und apropos Religion. Das Thalia Theater zeigt heute die Aufführung „Gólgota Picnic“. Dafür ist das Theater von extremen Katholiken und der Pius-Brüderschaft scharf angegriffen worden, wobei insbesondere letztere mit einer Strafanzeige droht, sollte das Thalia-Theater nicht „Rücksicht auf die Gefühle der Christen“ nehmen. Denn das Theaterstück wirft die (vollends berechtigte) Frage auf, inwieweit nicht Religion selbst zum Bösen gehört. Das Theater verteidigt sich damit, dass es auch positiv besetzte religiöse Momente im Rahmen der Lessing-Tage gebe. Aber das ist natürlich die falsche Verteidigung. Denn das Infragestellen der Religion ist an sich nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig. Die Pius-Brüderschaft selbst ist schließlich ein gutes Indiz dafür, dass Religion alles andere als gut ist. Aber entscheidend ist, dass die Meinungsfreiheit schlicht und ergreifend ein höheres Gut ist, als die Gefühle einer religiösen Gruppierung, ganz gleich welcher. Als dänische Botschaften im Nahen Osten angegriffen wurden, weil eine dänische Tageszeitung eine Mohammed-Karikatur gedruckt hat, hat es viel zu wenig Solidarisierung mit der Jyllands-Posten gegeben, gerade in Deutschland. Nun bemüht sich ein katholischer Orden, auf die gleiche Art die Kunst mundtot zu machen. Das darf nicht unkommentiert bleiben. 

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