Donnerstag, 21. Januar 2010

Afghanistan Unbound - Margot Käßmann Unleashed

Dass über Afghanistan endlich diskutiert wird, das ist ganz sicher gut. Dass es erst Margot Käßmanns Weihnachtspredigt dafür brauchte, ist dagegen eher traurig. Besorgniserregend, hingegen ist das, was die Bischöfin gesagt hat. Der Afghanistan-Krieg sei schlecht, weil, so das geniale Argument, Kriege immer schlecht sind. Und weil Kriege immer schlecht sind, ist es auch ganz besonders schlecht, wenn sich Deutschland an einem beteiligt.

In der Welt der Landesbischöfin Käßmann liegen die Dinge so einfach. Eine breite Koalition von Ralf Fücks, dem Leiter der Heinrich Böll-Stiftung, bis zu diversen Tageszeitungen, einschließlich der FAZ, hat nun bereits gesagt was davon zu halten ist: nichts. Zu Recht haben fast alle auf zwei Argumente hingewiesen:

Erstens: Was, bitte, gibt der Landesbischöfin eigentlich das Recht so selbstherrlich die Prinzipien deutscher Außenpolitik zu kritisieren? Nicht Margot Käßmann, die hat dieses Recht, aber die Landesbischöfin? Was genau ist eigentlich deren Mandat? Ist nun jder der in der Bibel blättert, ausgewiesener Sicherheitspolitiker?

Und zweitens: Warum musste dieser Aufruf zum Pazifismus noch mit Anweisungen an die Politik geschmückt werden, der, wenn wir ehrlich sind, nicht nur hahnebüchen ist. Sondern schlimmer noch, jenes pastellfarbene Allerweltsverbesserertum verkörpert, dass man schon immer mit der evangelischen Kirche verbunden und dass zu deren Sexappeal noch nie wirklich beigetragen hat?

Beide Argumente der Kritiker sind richtig. Die Bischöfin Käßmann wird natürlich ins Feld führen, dass die Bibel ihr das Recht gäbe gegen den Krieg zu sprechen, ja sie sogar dazu verpflichte. Allerdings gehen, und das sollte man ihr doch ins Gedächtnis rufen, politische Mandate in Deutschland aus der Verfassung hervor und die vermeidet, aus gutem Grund, Bezüge auf die Bibel. Man könnte auch noch darauf hinweisen, dass die Bibel, wenn man sie denn schon bemüht, alles andere als ein Grundlagendokument des Pazifismus ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das steht ja nicht in irgendeiner Afghanistan-Strategie!

Was aber tatsächlich an den Aussagen der Landesbischöfin so katastrophal ist, ist bislang kaum jemandem aufgefallen: Ihre Bemerkungen sind auf fatale Weise ahistorisch. Nicht nur, dass sie weder vom Wesen des Krieges besonders viel verstünde, nicht nur, dass sie von Afghanistan und dessen blutiger Geschichte irgendetwas verstünde. All das hätte sie schon stoppen müssen. Aber sie hätte doch zumindest auf die lange blutige Geschichte der Religionen - ihrer eingeschlossen - und auf den bellizistischen Gehalt der Bibel verweisen müssen. Aber das tat sie nicht. Stattdessen nur eine Behauptung von der Kanzel: Krieg ist schlecht. Die Arroganz, die darin zu Tage tritt, ist das, was wirklich besorgniserregend stimmen muss:

Die Vorstellung, man könne Kriege generell ablehnen ist nicht nur arrogant, sie ist historisch ignorant. Schlimmer noch: Die deutsche Haltung zum Krieg speist sich aus der deutschen Geschichte: Der zweite Weltkrieg und der Holocaust sind der Grund, aus dem heraus die Bundesrepublik sich zurückhaltend in Kriegen engagiert und nur dann tatsächlich interveniert, wenn unter humanitären Gesichtspunkten eine Kriegsbeteiligung das kleinere Übel ist. Wer Kriege prinzipiell ablehnt und meint, dafür auch noch auf eine historische Begründung verzichten zu können, der gesteht verklausuliert ein, dass für ihn die deutsche Geschichte und damit auch die deutsche Schuld keine wegweisende Funktion mehr hat. Das ist dann nicht mehr nur der verirrte Kommentar einer ohnehin nicht besonders einfallsreichen Kirchenfunktionärin.

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