Samstag, 13. Dezember 2008

Andreas Nabelschau



Es war ein eigentümlicher Zeitpunkt, den Andrea Ypsilanti für ihr letztes TV-Interview gewählt hat. Vergangene Nacht, einen Tag bevor Thorsten Schäfer-Dings zum Spitzenkandidat der hessischen SPD bei der kommenden Landtagswahl gewählt wurde, hatte Andrea Ypsilanti ein halbstündiges Interview auf Phoenix gegeben. Es war das erste Interview, dass Ypsilanti die unangenehmen Fragen nicht ersparte und damit auch das erste Interview, das eben nicht nach Mitternacht auf Phoenix hätte gesendet werden müssen, sondern im ersten oder zweiten Programm anstelle der sinnlosen Weichwascherei von Kerner. Die Antworten Ypsilanti, ihr überlegenes Lächeln nach manch einer Antwort, war so entlarvend, dass es eigentlich kommentarlos laufen könnte und nachdem die SPD sich zu einer langsamen Entmachtung Ypsilantis durchgerungen hat, könnte man auch ausdrücklich auf Nichtbefassung plädieren. Allein: Die Arroganz mit der Ypsilanti sich erklärt, sollte nicht unkommentiert bleiben, nicht um ihretwillen, sondern um des Prinzips willen:
- Ypsilantis ständiges Bestehen auf Inhalten, die es zu realisieren gelte steht im starken Widerspruch zu Ihrer Absage an eine mögliche Koalition mit der CDU: Diese lehne sie, so Ypsilanti, ab, weil mit Koch keine Koalition zu machen sei. Nun bedarf es keiner besonderen Begabung, um folgendes zu erkennen: Wenn das schon vor der Wahl so zu erkennen war, warum nur hat sie dann eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen, und nicht eine mit der CDU? Das bleibt vorläufig ihr Geheimnis.
- Noch immer vermag sie die Integrität der vier Abgeordneten nicht zu erkennen, die ihr die Gefolgschaft verweigert haben. Dabei gelang Alfred Schier eine kleine Finte, die Ypsilanti bezeichnenderweise gar nicht auffiel: Dieser fragte Ypsilanti, ob es Bestrebungen in der Fraktion gegeben habe, die Abstimmung während der letztlich gescheiterten Wahl zur Ministerpräsidentin mit Handyfotos zu dokumentieren und ob entsprechender Druck auf die "Dissidenten" ausgeübt worden sei. Dissidenten sind Oppositionelle in totalitären Systemen und was Ypsilanti nicht weiter auffiel: Die SPD-Fraktion im hessischen Landtag war gerade als totalitäres System geoutet worden. Sie vermied es aber immerhin, dem Moderator ihr Wort zu geben, dass es solche Bestrebungen gegeben habe, allzu verständlich, wollte sie der hessischen SPD wohl eine Neuauflage der Barschel-Affäre ersparen.
Es bleibt nur eines zu hoffen, wenn Ypsilanti schon nicht selbst die Konsequenzen aus ihrem Scheitern und ihrer vollkommen unpolitischen Haltung ziehen kann, so kann es hoffentlich die SPD, entmachtet sie: besser jetzt.

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