Samstag, 13. September 2008

The Future is Wide Open



Vor einigen Jahren war ich im Bundestag. Ich war in einen Fahrstuhl hineingehuscht und es rief Friedbert Pflüger, man möge den Fahrstuhl aufhalten. Kurz nach mir, war eine junge Praktikantin in den Fahrstuhl gestiegen und Friedbert Pflüger, seinerzeit der CDU-Mann für die Außenpolitik im Deutschen Bundestag stellte sich uns im Fahrstuhl vor. Mir gegenüber eher hastig, der jungen Kollegin aber etwas hingebungsvoller und bat sie sogleich, ihn doch in die nächste Fraktionssitzung zu begleiten. Derlei Geschichten, so erfuhr ich während meines mehrere Wochen andauernden Intermezzos in Berlin, könne so mancher berichten.
Nun hat Friedbert Pflüger die politische Bühne Berlins verlassen. Als letzter Hoffnungsschimmer der Berliner Landes-CDU hatte er versucht, die Partei vor Werten zu bewahren, die andere Christdemokraten nur aus Umfragen über die SPD kannten, allein die Berliner CDU wollte nicht so recht und war sich selbst genug. Das ist schade, nur eines aber bleibt hängen: Als Pflüger nach seiner Abwahl vor die Presse trat, berichtete er nicht viel - das meiste sagte ohnehin seine Miene - aber er brachte seine Haltung auf den Punkt: Er habe eine Wahl verloren, nicht seine Selbstachtung.
Diese Worte sind von einer staatstragenden Klarheit, dass man vergessen könnte, dass Pflüger nur der Vorsitzender einer Fraktion im Abgeordnetenhaus ist. Vor allem aber steht dieser Abgang in krassem Gegensatz zu dem anderen Abgang der letzten Tage, dem von Kurt Beck, der es selbst bei seinem Abschied von der Bundesbühne nicht vermocht hat, klare Worte zu sprechen. Für die Berliner CDU gilt, und das deutlich mehr als für die Bundes-SPD, das der wahre Wert von manchem erst zu schätzen gewußt wird, wenn er nicht mehr in Reichweite ist.

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