Mittwoch, 23. Juli 2008

NATO, my love

Einer meiner jüngsten Beiträge erschien im MERKUR, der deutschen Zeitschrift für europäisches Denken. Hier ein Ausschnitt:

Aus zeithistorischer Perspektive drehten sich sowohl der Zweite Weltkrieg als auch der Kalte Krieg um die Frage, ob die Demokratie und damit die westlichen Bündnisse siegen und so viel Ausstrahlungskraft entwickeln könnten, dass der jeweils nicht in den Westen integrierte Teil der Welt den Anschluss zu finden vermöchte. Unterfüttert vom eigenen Wohlstand hatte der Westen mit der Mischung aus Demokratie, Rechtsstaat und freier Marktwirtschaft das überlegene Gesellschaftsmodell: Zugang zu dieser Gesellschaftsform zu erhalten, war für viele in der östlichen Hemisphäre so attraktiv, dass sie letztlich bereit waren, das eigene Regime zu stürzen. Um den sogenannten Krieg gegen den Terror zu gewinnen, ist eine ähnlich gelagerte Strategie notwendig: ein Gesellschaftsmodell, das dem des radikalen Islam überlegen ist. Der Kalte Krieg wurde gewonnen, weil der Westen das attraktivere Lebensmodell anbot und gleichzeitig den Kampf gegen den Kommunismus nur an der Peripherie mit militärischer Gewalt führen musste. Der Kampf gegen den radikalen Islam sollte eigentlich leichter fallen. Denn immerhin hielt der Kommunismus ein egalitäres Fortschrittsversprechen bereit, was von der radikalen Auslegung des Islam nicht behauptet werden kann. Zum anderen ist der Westen heute größer und sowohl politisch als auch militärisch stärker als zur Zeit des Kalten Kriegs. Die den Kampf gegen den Kommunismus leitende Strategie des "containment" war eine des langsamen "regime change" . Der Krieg gegen den Terror kann im Grunde nur auf ähnliche Weise gewonnen werden. Der Westen muss wieder ein Wohlstandsversprechen mit dem wehrhaften Demokratieversprechen verbinden, und daraus lässt sich wiederum ein Argument für eine globale Nato herleiten. Denn wenn das Wohlstandsversprechen auch außerhalb der verteidigungspolitischen Strukturen der Nato einlösbar ist, dann droht der Westen an Kohärenz und Ausstrahlungskraft zu verlieren. Gleichzeitig muss der Westen das Konzept der Globalisierung als solches aufwerten. Denn die Globalisierung ist in vielen Ländern, in denen der Konflikt zwischen dem westlichen Lebens- und Wertemodell und der radikalen, modernitätsfeindlichen und antisäkularen Auffassung des Islam ausgetragen wird, negativ konnotiert, und als alternative Version bleibt sie vage.

Mehr unter: http://online-merkur.de/

Kommentare:

Anonym hat gesagt…
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